Information zur Lawinensituation, Freitag, den 11.11.2016, um 11:30

WARUM? - Gefahrenmuster (gm):

gm.6 - lockerer Schnee und Wind
gm.2 - Gleitschnee
gm.1 - bodennahe Schwachschicht vom Frühwinter

Vorsicht vor frisch eingewehten Hängen in großen Höhen. Gleitschneeproblem auf steilen Wiesenhängen

Beurteilung der Lawinengefahr

In Tirols Bergen muss teilweise schon auf eine mögliche Lawinengefahr geachtet werden. Besonders betroffen sind hohe und hochalpine Regionen. Dort haben sich durch die Kombination aus kürzlichen Schneefällen und kräftigem Wind frische Triebschneepakete gebildet. Vermehrt trifft man diese im sehr steilen kammnahen Gelände, aber auch in Rinnen und Mulden. Je höher man raufkommt, desto umfangreicher und störanfälliger werden solche Gefahrenstellen. Für eine Lawinenauslösung reicht meist geringe Zusatzbelastung. Dieses Triebschneeproblem hält zumindest dieses Wochenende an, bessert sich dann jedoch zusehends durch den zu erwartenden Temperaturanstieg.

Mit den neuerlich prognostizierten Neuschneefällen, die im Norden und Westen des Landes intensiver ausfallen sollen, entwickelt sich auf steilen Grashängen zusätzlich ein Gleitschneeproblem. Die an Mächtigkeit zunehmende Schneedecke kann auf dem relativ warmen Boden recht gleich abgleiten. Meist wird es sich um Rutsche, vereinzelt um kleine Lawinen handeln, die man vermehrt beobachten wird können.

Und hochalpin, insbesondere im vergletscherten, sehr steilen und zudem schattigen Gelände sind Lawinenauslösungen v.a. durch große Zusatzbelastung denkbar.

Bild 2016-11-11_1130

Schneedeckenaufbau

Mehrmals hat es diesen Winter schon geschneit. Die für die derzeitige Lawinengefahr bedeutsamen Schneefälle betreffen v.a. jene vom 06.11. auf den 07.11. sowie jene ab Mittwoch, dem 09.11.2016. Am meisten hat es dabei in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes sowie ganz im Westen des Landes geschneit. In Summe waren es verbreitet 30cm bis 70cm, lokal, wie in den nördlichen Osttiroler Tauern und im Arlberggebiet auch mehr. Entscheidend für die Lawinengefahr ist v.a. die Beschaffenheit der Schneeoberfläche vor dem letzten Einschneien. Der Neuschnee war meist locker, kalt und zudem beobachtete man teilweise beginnende Oberflächenreifbildung. Mit dem Wind, der ab dem 08.11. abends deutlich zugelegt hat, wurde diese Schneeoberfläche häufig von Triebschnee überdeckt, der v.a. in großen Höhen nur schlecht verbunden ist. Kleine spontane Lawinen in großen Höhen sind ein klares Indiz dafür. Ansonsten findet man hochalpin im schattigen Gelände eine bodennahe, kantige Schicht, die insbesondere durch große Belastung zu stören ist.

Alpinwetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck

Wetterlage vom 11.11.2016: Tirol liegt im Enflussbereich eines Tiefdruckgebietes mit Zentrum über Oberitalien in feuchter und kalter Luft. Dieses Tief zieht morgen Samstag langsam nach Osten ab, von Westen her beginnt der Luftdruck zu steigen und nachfolgend wird die Luftmasse etwas milder.
Bergwetter vom 11.11.2016: Es steht tiefwinterliches Bergwetter an. Die Berge stecken in Wolken und Nebel und von Westen her breitet sich vormittags teils kräftiger Schneefall aus. Am meisten schneit es dabei vom Arlberg bis in die Lechtaler Alpen, über Nacht dann entlang der gesamten Nordalpen. Hier sind rund 20 bis 40cm Neuschnee zu erwarten, ansonsten um die 20cm. In den Südalpen nur ein paar Schauer, nachmittags aber mit auffrischendem Nordwind tendenziell trockener. Temperatur in 2000m: -9 bis -7 Grad, Temperatur in 3000m: -15 bis -13 Grad, Höhenwind: lebhafter, in den Nordalpen teils starker Wind aus West bis Nordwest.

Tendenz

Mit den heute angekündigten Schneefällen samt Wind werden die Gefahrenstellen zunehmen. Ab Anfang kommender Woche vorläufige Besserung der Situation.

[Autor: Patrick Nairz]