Lawinenlagebericht vom Montag, den 21.04.2014, um 07:30

Gefahrenstufenkarte 14/2014-04-21_0

Vorsicht im schattigen, sehr steilen Gelände um 2400m sowie hochalpin in Kammnähe

Beurteilung der Lawinengefahr

Die Lawinengefahr ist höhenabhängig. Oberhalb etwa 1600m ist die Gefahr allgemein mäßig, darunter aufgrund der Schneearmut gering.
Derzeit gibt es vier Gefahrenbereiche: Aufpassen heißt es einerseits im sehr steilen schattigen Gelände in einem Höhenbereich zwischen etwa 2300m und 2500m. Dort können an schneearmen Stellen Schneebrettlawinen v.a. durch große Zusatzbelastung ausgelöst werden. Die Auslösewahrscheinlichkeit nimmt dabei im Tagesverlauf mit zunehmender Durchfeuchtung der Schneedecke durch diffuse Strahlung zu.
Weiters gibt es oberhalb etwa 3000m im kammnahen, sehr steilen, schattigen Gelände Triebschneepakete, die allerdings nur mehr selten zu stören sein sollten.
Zudem werden auch heute aus felsdurchsetztem Gelände aus allen Expositionen nasse Lockerschneelawinen zu beobachten sein. Speziell im südlichen Osttirol bleiben zudem Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen überall dort ein Thema, wo sich bereits Risse in der Schneedecke aufgetan haben.

Bild 14/2014-04-21_0

Schneedeckenaufbau

Die Schneequalität hat deutlich abgenommen. Die Nacht war meist wolkenverhangen. Teilweise hat es bis ca. 2400m hinauf geregnet. Meist findet man deshalb Bruchharsch bzw. eine durchfeuchtete Schneeoberfläche. Der Neuschnee vom Wochenende hat sich allerdings inzwischen recht gut gesetzt und stabilisiert. Mögliche Schwachschichten für Schneebrettlawinen findet man derzeit v.a. in Bodennähe in Form von kantigen Kristallen v.a. schattseitig um 2400m. Dort kann diese Schicht durch zunehmenden Wärme- und Strahlungseinfluss zunehmend durchfeuchtet und dadurch störanfällig werden. Hochalpin ist vereinzelt noch Triebschnee auf vormals lockerem, kalten Pulverschnee zu stören.

Alpinwetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck

Bergwetter heute: Die Sicht wechselt immer wieder, einmal sind die Berge im Nebel, dann wieder nicht. Über den Tag verteilt muss man immer wieder mit einem kurzen Schauer rechnen, die Schneefallgrenze liegt bei etwa 2100m, die Nullgradgrenze bei rund 2400m. Temperatur in 2000m 3 Grad, in 3000m -4 Grad. Schwacher bis mäßiger Höhenwind aus Südwest, in ausgesprochenen
Föhnschneisen auch kräftig.

Tendenz

Keine wesentliche Änderung.

[Autor: Patrick Nairz]

Lawinenlagebericht vom Dienstag, den 22.04.2014, um 07:30

Gefahrenstufenkarte 14/2014-04-22_0

Oberhalb etwa 1600m mäßige Lawinengefahr bei häufig schlechter Schneequalität

Beurteilung der Lawinengefahr

Die Lawinengefahr bleibt von der Seehöhe abhängig. Oberhalb etwa 1600m herrscht mäßige, darunter wegen der Schneearmut geringe Lawinengefahr. Die Hauptgefahr geht von nassen Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände aus, die durch den Impuls von Wintersportlern ausgelöst werden können. Hochalpin, also oberhalb etwa 3000m sind durch Sonneneinstrahlung und Tageserwärmung vereinzelt auch noch spontane Lockerschneelawinen zu erwarten.
Gefahrenbereiche für Schneebrettlawinen findet man am ehesten noch im sehr steilen schattigen Gelände in einem Höhenbereich um 2400m und zwar an eher schneearmen Bereichen wo die Schneedecke erstmals bis zum Boden hin durchfeuchtet wird.
Gleitschneelawinen bleiben v.a. im südlichen Osttirol auf steilen Wiesenhängen ein Thema und können mitunter auch größeres Ausmaß erreichen.

Bild 14/2014-04-22_0

Schneedeckenaufbau

Eine wiederum durchwachsene Nacht mit Wolken, Regen bis ca. 2500m und kurzen Aufhellungen führte zu keiner nennenswerten Stabilisierung der gestern durchfeuchteten Schneedecke. Der Schnee ist deshalb oberflächig bis weit hinauf feucht bzw. findet man an der Schneeoberfläche einen nur brüchigen Harschdeckel. Gleitflächen für Schneebrettlawinen sind selten. Am ehesten findet man diese in bodennahen Bereichen in Form einer kantigen Schicht. Dort wo diese nun erstmals feucht bzw. nass wird ist diese mitunter störanfällig. Dies trifft v.a. schattseitig um 2400m, vereinzelt hochalpin in westlichen und östlichen Expositionen zu.

Alpinwetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck

Bergwetter heute: Bis über Mittag herrschen recht sonnige Bedingungen, vor allem auf den Bergen Nordtirols. Quellwolken bilden sich im Tagesverlauf überall, vor allem am Alpennordrand muss am Nachmittag mit Schauern und einzelnen Gewittern gerechnet werden. Die Schneefallgrenze liegt auf ca. 2200-2500m. Temperatur in 2000m 4 Grad, in 3000m -2 Grad. Schwach windig in allen Höhen aus unterschiedlicher Richtung.

Tendenz

Gleichbleibende Situation. Generell gilt: Je höher und früher man unterwegs ist, desto vergleichsweise günstiger sind die Verhältnisse.

[Autor: Patrick Nairz]

Lawinenlagebericht vom Mittwoch, den 23.04.2014, um 07:30

Gefahrenstufenkarte 14/2014-04-23_0

Tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr beachten - Einstellung der täglichen Berichterstattung

Beurteilung der Lawinengefahr

Die Lawinengefahr ist höhenabhängig. Oberhalb etwa 1600m herrscht mäßige Gefahr, darunter ist diese aufgrund der Schneearmut meist gering. Derzeit gibt es nur mehr wenige Gefahrenstellen. Schneebrettlawinen lassen sich am ehesten noch im extrem steilen schattigen Gelände in einem Höhenbereich zwischen etwa 2400m und 2600m an schneearmen Stellen durch große Zusatzbelastung auslösen. Lockerschneelawinen sollten nur mehr durch den Impuls eines Wintersportlers im felsdurchsetzten Gelände überall dort auzulösen sein, wo die Schneedecke nass ist. Gleitschneelawinen sind v.a. noch im schneereichen südlichen Osttirol auf steilen Wiesenhängen ein Thema. Gefahrenbereiche sind durch Risse in der Schneedecke erkennbar.
Allgemein gilt: Gefahrenstellen werden sich zunehmend in größere Höhen verlagern. Vermehrt findet man diese noch schattseitig wo das Schneefundament erstmals durchfeuchtet wird. Nach klaren trockenen Nächten ist die Situation immer günstiger als nach feuchten wolkenverhangenen.

Bild 14/2014-04-23_0

Schneedeckenaufbau

Die Schneedecke konnte sich v.a. im Osten des Landes ab Mitternacht ausstrahlen, sodass zumindest ein brüchiger, hochalpin mitunter auch ein tragfähiger Harschdeckel entstehen konnte. Das wechselhafte Aprilwetter sorgt jedoch auch heute wieder für eine rasche Durchfeuchtung der Schneedecke. Bedeutsame Schwachschichten für Schneebrettlawinen findet man selten. Am ehesten ist dies schattseitig in einem Höhenbereich zwischen etwa 2400m und 2600m in Bodennähe der Fall, wo vormals kantige Kristalle durch die zunehmende Durchnässung störanfällig werden können. Wie schon den ganzen Winter über liegt im Norden unterdurchschnittlich Schnee - besonnte Hänge sind bis zum Teil weit über die Waldgrenze hinauf aper. Im südlichen Osttirol sind die Schneemengen für die Jahreszeit überdurchschnittlich.

Alpinwetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck

Bergwetter heute: Am Vormittag scheint wieder in den meisten Regionen überwiegend die Sonne. Ab Mittag entstehen große Quellwolken und Regenschauer und Gewitter insbesondere in den NördlichenK Kalkalpen und in den Bergen des Oberlandes werden immer wahrscheinlicher. Schnee- oder Graupelschauer gibt es dabei ab ca. 2300 m. Am Hauptkamm und an der Alpensüdseite ist es etwas stabiler, hier ist die Schaueranfälligkeit geringer. Temperatur in 2000m 4 Grad, in 3000m -2 Grad. Schwacher Wind aus östlichen Richtungen, oft lokale Zirkulationen und bei Schauertätigkeit kurzzeitig stark auflebend.

Tendenz

Die tägliche Berichterstattung wird ab heute, den 23.04. eingestellt. Bei außergewöhnlichen Änderungen der Situation erfolgt eine Aktualisierung des Berichts. Herzlichen Dank an alle, die uns während der vergangenen Saison mit wertvollen Rückmeldungen versorgt haben. Weitere Infos in unserem Blog (http://lawine.tirol.gv.at).

[Autor: Patrick Nairz]

aktuelle(s) gm

Hier finden Sie die tagesaktuell gültigen Gefahrenmuster (gm), wobei wir maximal bis zu drei gm auswählen. Jenes, welches zuerst angeführt wird, ist bedeutsamer als die folgenden Gefahrenmuster. Bei stabilen Verhältnissen werden keine Gefahrenmuster dargestellt.

Eine Beschreibung aller Gefahrenmuster finden Sie hier.

gefahrenmuster (gm) 10 - frühjahrssituation

Eine besondere Herausforderung für den Wintersportler, aber auch für Lawinenprognostiker sowie Lawinenkommissionsmitglieder stellt das Frühjahr dar. Selten liegen "sicher" und "gefährlich" zeitlich so eng beieinander, selten ist somit auch die Bandbreite der während eines Tages ausgegebenen Gefahrenstufen so groß. Einerseits ist die Lawinengefahr kaum einmal leichter einzuschätzen als bei stabilen Firnverhältnissen, andererseits werden aber auch kaum jemals während eines Winters so große Lawinenabgänge verzeichnet wie während kritischer Frühjahrssituationen.

Dabei spielt neben dem Schneedeckenaufbau das zum Teil komplexe Wechselspiel aus Lufttemperatur, Luftfeuchte, Strahlungseinfluss und Wind eine entscheidende Rolle. Für den Wintersportler sind zeitliche Disziplin sowie Flexibilität bei der Tourenplanung gefragter denn je.

Ein typisches Lawinenereignis zu diesem gm finden Sie hier 10.

gm 10 - frühjahrssituation

gefahrenmuster (gm) 1 - bodennahe schwachschicht vom frühwinter

Nach dem ersten Schneefall eines Winters können vor allem Gleitschneelawinen, also Lawinen, die auf steilen, glatten Hängen abgleiten, ein Problem darstellen. Nach dem zweiten bedeutsamen Schneefall kommt es dann vermehrt zu Schneebrettlawinen. Diese gelten als die typischen Skifahrerlawinen und sind für mindestens 95% der tödlichen Lawinenunfälle verantwortlich. Der zweite Schneefall ist deshalb so entscheidend, weil sich zwischen der ersten Schneeauflage und dem zweiten Schneefall mitunter eine ausgeprägte, bodennahe Schwachschicht bilden kann, die leicht von Wintersportlern zu stören ist. Meist treten Probleme dieser Art in hohen (>2000 m) und hochalpinen (>3000 m) schattigen Steilhängen auf. Die bodennahe Schwachschicht kann mitunter auch noch später während des Winters Auswirkungen auf die Lawinensituation haben.

Ein typisches Lawinenereignis zu diesem gm finden Sie hier 1.

gm 1 - bodennahe schwachschicht vom frühwinter

gefahrenmuster (gm) 2 - gleitschnee

Schnee gleitet bevorzugt auf steilen, glatten Flächen talwärts. Dabei bilden sich Gleitschneemäuler, also gut sichtbare, teilweise mehrere Meter tiefe Risse in der Schneedecke. Solche Gleitschneemäuler gelten entgegen einer alten, leider schwer auszurottenden "Lehrmeinung" nicht als günstige, sondern durchwegs als ungünstige Kriterien hinsichtlich eines möglichen Lawinenabgangs. Ein Gleitschneemaul deutet auf die Möglichkeit einer Gleitschneelawine hin, sagt jedoch nichts darüber aus, ob und wann die Schneemasse tatsächlich als Gleitschneelawine abgeht. Gleitschneelawinen zählen hinsichtlich des Abgangszeitpunktes zu den am schwierigsten vorhersagbaren Lawinen, weil diese auch bei allgemein stabilen Schneeverhältnissen zu jeder Tages- und Nachtzeit, sowohl am kältesten als auch am wärmsten Tag des Winters abgehen können. Zudem sind Gleitschneelawinen nicht durch Zusatzbelastung auszulösen.

Ein typisches Lawinenereignis zu diesem gm finden Sie hier 2.

gm 2 - gleitschnee