Lawinenlagebericht vom Dienstag, den 22.04.2014, um 07:30

Gefahrenstufenkarte 14/2014-04-22_0

Oberhalb etwa 1600m mäßige Lawinengefahr bei häufig schlechter Schneequalität

Beurteilung der Lawinengefahr

Die Lawinengefahr bleibt von der Seehöhe abhängig. Oberhalb etwa 1600m herrscht mäßige, darunter wegen der Schneearmut geringe Lawinengefahr. Die Hauptgefahr geht von nassen Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände aus, die durch den Impuls von Wintersportlern ausgelöst werden können. Hochalpin, also oberhalb etwa 3000m sind durch Sonneneinstrahlung und Tageserwärmung vereinzelt auch noch spontane Lockerschneelawinen zu erwarten.
Gefahrenbereiche für Schneebrettlawinen findet man am ehesten noch im sehr steilen schattigen Gelände in einem Höhenbereich um 2400m und zwar an eher schneearmen Bereichen wo die Schneedecke erstmals bis zum Boden hin durchfeuchtet wird.
Gleitschneelawinen bleiben v.a. im südlichen Osttirol auf steilen Wiesenhängen ein Thema und können mitunter auch größeres Ausmaß erreichen.

Bild 14/2014-04-22_0

Schneedeckenaufbau

Eine wiederum durchwachsene Nacht mit Wolken, Regen bis ca. 2500m und kurzen Aufhellungen führte zu keiner nennenswerten Stabilisierung der gestern durchfeuchteten Schneedecke. Der Schnee ist deshalb oberflächig bis weit hinauf feucht bzw. findet man an der Schneeoberfläche einen nur brüchigen Harschdeckel. Gleitflächen für Schneebrettlawinen sind selten. Am ehesten findet man diese in bodennahen Bereichen in Form einer kantigen Schicht. Dort wo diese nun erstmals feucht bzw. nass wird ist diese mitunter störanfällig. Dies trifft v.a. schattseitig um 2400m, vereinzelt hochalpin in westlichen und östlichen Expositionen zu.

Alpinwetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck

Bergwetter heute: Bis über Mittag herrschen recht sonnige Bedingungen, vor allem auf den Bergen Nordtirols. Quellwolken bilden sich im Tagesverlauf überall, vor allem am Alpennordrand muss am Nachmittag mit Schauern und einzelnen Gewittern gerechnet werden. Die Schneefallgrenze liegt auf ca. 2200-2500m. Temperatur in 2000m 4 Grad, in 3000m -2 Grad. Schwach windig in allen Höhen aus unterschiedlicher Richtung.

Tendenz

Gleichbleibende Situation. Generell gilt: Je höher und früher man unterwegs ist, desto vergleichsweise günstiger sind die Verhältnisse.

[Autor: Patrick Nairz]

Lawinenlagebericht vom Mittwoch, den 23.04.2014, um 07:30

Gefahrenstufenkarte 14/2014-04-23_0

Tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr beachten - Einstellung der täglichen Berichterstattung

Beurteilung der Lawinengefahr

Die Lawinengefahr ist höhenabhängig. Oberhalb etwa 1600m herrscht mäßige Gefahr, darunter ist diese aufgrund der Schneearmut meist gering. Derzeit gibt es nur mehr wenige Gefahrenstellen. Schneebrettlawinen lassen sich am ehesten noch im extrem steilen schattigen Gelände in einem Höhenbereich zwischen etwa 2400m und 2600m an schneearmen Stellen durch große Zusatzbelastung auslösen. Lockerschneelawinen sollten nur mehr durch den Impuls eines Wintersportlers im felsdurchsetzten Gelände überall dort auzulösen sein, wo die Schneedecke nass ist. Gleitschneelawinen sind v.a. noch im schneereichen südlichen Osttirol auf steilen Wiesenhängen ein Thema. Gefahrenbereiche sind durch Risse in der Schneedecke erkennbar.
Allgemein gilt: Gefahrenstellen werden sich zunehmend in größere Höhen verlagern. Vermehrt findet man diese noch schattseitig wo das Schneefundament erstmals durchfeuchtet wird. Nach klaren trockenen Nächten ist die Situation immer günstiger als nach feuchten wolkenverhangenen.

Bild 14/2014-04-23_0

Schneedeckenaufbau

Die Schneedecke konnte sich v.a. im Osten des Landes ab Mitternacht ausstrahlen, sodass zumindest ein brüchiger, hochalpin mitunter auch ein tragfähiger Harschdeckel entstehen konnte. Das wechselhafte Aprilwetter sorgt jedoch auch heute wieder für eine rasche Durchfeuchtung der Schneedecke. Bedeutsame Schwachschichten für Schneebrettlawinen findet man selten. Am ehesten ist dies schattseitig in einem Höhenbereich zwischen etwa 2400m und 2600m in Bodennähe der Fall, wo vormals kantige Kristalle durch die zunehmende Durchnässung störanfällig werden können. Wie schon den ganzen Winter über liegt im Norden unterdurchschnittlich Schnee - besonnte Hänge sind bis zum Teil weit über die Waldgrenze hinauf aper. Im südlichen Osttirol sind die Schneemengen für die Jahreszeit überdurchschnittlich.

Alpinwetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck

Bergwetter heute: Am Vormittag scheint wieder in den meisten Regionen überwiegend die Sonne. Ab Mittag entstehen große Quellwolken und Regenschauer und Gewitter insbesondere in den NördlichenK Kalkalpen und in den Bergen des Oberlandes werden immer wahrscheinlicher. Schnee- oder Graupelschauer gibt es dabei ab ca. 2300 m. Am Hauptkamm und an der Alpensüdseite ist es etwas stabiler, hier ist die Schaueranfälligkeit geringer. Temperatur in 2000m 4 Grad, in 3000m -2 Grad. Schwacher Wind aus östlichen Richtungen, oft lokale Zirkulationen und bei Schauertätigkeit kurzzeitig stark auflebend.

Tendenz

Die tägliche Berichterstattung wird ab heute, den 23.04. eingestellt. Bei außergewöhnlichen Änderungen der Situation erfolgt eine Aktualisierung des Berichts. Herzlichen Dank an alle, die uns während der vergangenen Saison mit wertvollen Rückmeldungen versorgt haben. Weitere Infos in unserem Blog (http://lawine.tirol.gv.at).

[Autor: Patrick Nairz]

Lawinenlagebericht vom Donnerstag, den 01.05.2014, um 19:30

Gefahrenstufenkarte 14/2014-05-01_1

Vorsicht! Erhöhte Lawinenaktivität in hohen und hochalpinen Lagen!

Beurteilung der Lawinengefahr

Die Lawinengefahr ist angestiegen und muss in hohen und hochalpinen Lagen häufig als erheblich eingestuft werden. Unterhalb etwa 1800m sowie im Nordosten des Landes ist die Gefahr verbreitet gering. Gerade bei intensiver diffuser Strahlung oder Regen bis in große Höhen und der daraus resultierenden fortschreitenden Durchnässung der Schneedecke muss sogar von einer durchwegs heiklen Stufe 3 ausgegangen werden! Dies bestätigt auch die vermehrte Lawinenaktivität während der vergangenen Tage. Meist lösten sich unmittelbar nach den Schneefällen nasse Lockerschneelawinen aus extrem steilem Gelände, teilweise aber auch mittelgroße, vereinzelt auch große Schneebrettlawinen, v.a. im Sektor W über N bis O oberhalb etwa 2500m. Für die Auslösung großer Schneebrettlawinen bedarf es derzeit meist großer Zusatzbelastung, wie dies z.B. durch den Impuls einer Lockerschneelawine oder einer oberflächennahen kleinen Schneebrettlawine der Fall sein kann.

Bild 14/2014-05-01_1

Schneedeckenaufbau

Massiv schreitet der Abbau der Schneedecke voran. Allerdings liegt in hohen und hochalpinen zumindest in den Regionen entlang des Alpenhauptkammes und südlich davon noch viel Schnee, der nun durch das wechselhafte Aprilwetter zunehmend bis zum Boden durchfeuchtet wird. Bisher recht stabile kantige Schichten in Bodennähe werden dadurch störanfälliger. Zusätzlich hat sich während der vergangenen Tage immer wieder auch ausgeprägter Graupel abgelagert, der kurzfristig eine oberflächennahe, ernst zu nehmende Schwachschicht, v.a. in Höhen oberhalb etwa 2500m bildet.

Alpinwetterbericht der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck

Wolkenreiche und feuchte Luft erreicht Tirol. Vor allem im Oberland und im Vinschgau verläuft der Freitag grau in grau mit Regenschauern über den ganzen Tag verteilt, die Schneefallgrenze pendelt wenig um 2000 m. Vom Brenner und Innsbruck ostwärts und in Osttirol ist es vormittags eher noch trocken und es gibt noch ein paar Auflockerungen mit etwas Sonne. Nachmittags kommt es auch hier zu Regenschauern und einzelnen Gewittern. Nachts auf Samstag sinkt die Schneefallgrenze in Nordtirol auf 1500 m ab. Tiefstwerte 5 bis 9 Grad, Höchstwerte 10 bis 15 Grad, in Lienz 18 Grad und in Bozen 17 Grad.

Tendenz

Vorerst in hohen und hochalpinen Regionen meist ungünstige Lawinensituation. Eine weitere Aktualisierung erfolgt bei einer gravierenden Änderung der Situation. Bitte auch unseren Blog unter http://lawine.tirol.gv.at beachten.

[Autor: Patrick Nairz]

aktuelle(s) gm

Hier finden Sie die tagesaktuell gültigen Gefahrenmuster (gm), wobei wir maximal bis zu drei gm auswählen. Jenes, welches zuerst angeführt wird, ist bedeutsamer als die folgenden Gefahrenmuster. Bei stabilen Verhältnissen werden keine Gefahrenmuster dargestellt.

Eine Beschreibung aller Gefahrenmuster finden Sie hier.

gefahrenmuster (gm) 1 - bodennahe schwachschicht vom frühwinter

Nach dem ersten Schneefall eines Winters können vor allem Gleitschneelawinen, also Lawinen, die auf steilen, glatten Hängen abgleiten, ein Problem darstellen. Nach dem zweiten bedeutsamen Schneefall kommt es dann vermehrt zu Schneebrettlawinen. Diese gelten als die typischen Skifahrerlawinen und sind für mindestens 95% der tödlichen Lawinenunfälle verantwortlich. Der zweite Schneefall ist deshalb so entscheidend, weil sich zwischen der ersten Schneeauflage und dem zweiten Schneefall mitunter eine ausgeprägte, bodennahe Schwachschicht bilden kann, die leicht von Wintersportlern zu stören ist. Meist treten Probleme dieser Art in hohen (>2000 m) und hochalpinen (>3000 m) schattigen Steilhängen auf. Die bodennahe Schwachschicht kann mitunter auch noch später während des Winters Auswirkungen auf die Lawinensituation haben.

Ein typisches Lawinenereignis zu diesem gm finden Sie hier 1.

gm 1 - bodennahe schwachschicht vom frühwinter

gefahrenmuster (gm) 9 - eingeschneiter graupel

Schwachschichten innerhalb der Schneedecke werden bei Lawinenkursen häufig mit Kugellagern verglichen. Wirklich passend ist dieses Bild nur für den Graupel: eine kugelförmige Niederschlagsform, die sich bevorzugt im Frühjahr bei gewitterartigen Schauern ablagert. Leicht vorzustellen, dass Triebschnee, der sich darüber ansammelt, meist nur schlecht mit dieser Schwachschicht verbunden ist und damit das Lawinenrisiko steigt. Graupel ist häufig kleinräumig verteilt und lässt sich ohne Blick in die Schneedecke selbst von Experten meist nur schwer erkennen. Eine durchwegs heimtückische Angelegenheit, die zum Glück nur kurzfristig zu Problemen führt.

Ein typisches Lawinenereignis zu diesem gm finden Sie hier 9.

gm 9 - eingeschneiter graupel

gefahrenmuster (gm) 10 - frühjahrssituation

Eine besondere Herausforderung für den Wintersportler, aber auch für Lawinenprognostiker sowie Lawinenkommissionsmitglieder stellt das Frühjahr dar. Selten liegen "sicher" und "gefährlich" zeitlich so eng beieinander, selten ist somit auch die Bandbreite der während eines Tages ausgegebenen Gefahrenstufen so groß. Einerseits ist die Lawinengefahr kaum einmal leichter einzuschätzen als bei stabilen Firnverhältnissen, andererseits werden aber auch kaum jemals während eines Winters so große Lawinenabgänge verzeichnet wie während kritischer Frühjahrssituationen.

Dabei spielt neben dem Schneedeckenaufbau das zum Teil komplexe Wechselspiel aus Lufttemperatur, Luftfeuchte, Strahlungseinfluss und Wind eine entscheidende Rolle. Für den Wintersportler sind zeitliche Disziplin sowie Flexibilität bei der Tourenplanung gefragter denn je.

Ein typisches Lawinenereignis zu diesem gm finden Sie hier 10.

gm 10 - frühjahrssituation